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Erkenntnistheorie - Wann erst sind Argumente tauglich zur Meinungsbildung


Meine ersten – wiewohl mir damals noch nicht der richtige Begriff bekannt war -, empirisch, weil eigens erfahren, entwickelten erkenntnistheoretischen Überlegungen zum Thema "eine eigene Meinung haben", so im Alter von 12 oder 13 Jahren, lauteten so:

 

 Nach eignem Maßstab wertet

man Menschen allgemein.

Und schätzt fast ungeniert

den Andern wie sich selber ein:

 

"Wie wird er wohl in dieser

heiklen Lage reagieren?

Natürlich!, was auch sonst:

Er kann sich nur blamieren!“


Doch viel zu selten nimmt man Rücksicht

drauf, wie wohl der Andere denkt:

Entsprechend nämlich dem Charakter,

der fast jede Handlung lenkt.

 


Dass jeder Mensch einen ureigenen von jedem anderen verschiedenen Charakter zu haben scheint, wusste oder glaubte ich bereits als Kind deutlich zu spüren, und so reizte es mich, die feinen oder groben Unterschiede erkennen zu lernen, sie zu finden und sie mithilfe der Sprache schriftlich zu formulieren, mit einer speziellen Freude, wie wenn man Pilze im Wald findet.

Mich reizten von jeher die jeweiligen möglichen Beweggründe für vorgebrachte Argumente anderer Menschen, vor allem deren Herleitung und das, was an Aspekten möglicherweise außer Acht gelassen wurde und vor allem die zur potentiell möglich geistigen Synthesebildung zu berücksichtigende dahinter stehende Logik. Mich interessierte schon sehr früh, ab wann vorgebrachte Argumente tauglich und nicht nur gültig sind, um aus ihnen eine gut begründete eigene Meinung zu bilden. Vor allem eine Meinung, die darauf ausgerichtet ist, die Würde derjenigen, über die man sich artikulierend auslässt, menschenmöglich zu wahren.

Ich beobachtete, dass meist nur zwei drei Argumente vorgebracht wurden von, wie ich gefühlt wusste, bestimmt wesentlich mehr Argumente, sowohl aus dem Pro als auch dem Kontra gefunden werden könnten, wenn nur danach gesucht werden würde. Ich erlebte das so, als würden die zwei drei Argumente missbraucht werden, nur um das Recht auf die eigene Meinung zu demonstrieren, und die vielen anderen passenden Argumente unterdrückt.

 


Viele Jahre später fiel mir diese Erkenntnis zu:

 

Argumente, die jemand findet, besagen oder bezeugen mitunter lange noch nicht, dass es aus anderer Richtung bzw. im Contra nicht ebenso gute und überzeugende Argumente geben könnte. Viel eher ist es doch so: Argumente, die jemand findet, bezeugen in erster Linie oder zunächst lediglich, in dieser und keiner anderen Richtung zuvor gesucht zu haben.

Argumente, die jemand also zuerst suchte und danach selektiv fand, streicheln quasi und beruhigen oft ein Stück der eigenen Seele in gewisser Weise bzw. die vertiefte zu jeweiliger Angelegenheit entwickelte stets gleichzeitig schutzbedürftige Grundeinstellung jenes Menschen, der solcherart Argumenten-Findung zu pflegen pflegt. Doch Argumente können einerseits einzeln betrachtet, zwar gültig sein, doch nicht zwangsläufig schlüssig in dem Sinne, dass etwa sämtliche zu beleuchtende Kriterien unter die Lupe genommen wurden.

Wenn Argumente auf Unwahrheit aufbauen, die infolge von Missverständnisse vertreten wird, so lassen sich immer und wohl meist an jedem Ort der Welt ähnlich gesinnte Menschen finden. Sie ziehen sich quasi gegenseitig unbewusst oder bewusst regelrecht an. Durch gehörte Kommunikation in einem Wartezimmer, in der Kneipe, in einer Schulklasse, im Hörsaal usw. erkennt man jene auf gleicher Wellenlänge sehr schnell. Man erkennt sie an ihrem zustimmenden Nicken auf einen ganz bestimmten Satz hin oder man erkennt solche mit wohl nicht der gleichen Wellenlänge an ihren Kopfschütteln auf den gleichen Satz hin.

Danach folgt das Darüber-Unterhalten, danach oder zeitgleich beginnend das gegenseitige Bestätigen der vorgebrachten Argumente. Dass ein paar Meter weiter weg Stehende, die den Argumenten aufmerksam lauschen, mit ihrem Kopf schütteln, diese Inhalte also eher nicht so schlüssig sehen, stört dann die beiden, die sich gemäß ihrer Einstellung zu Gott und der Welt, gerade glücklich gefunden haben, nicht im Geringsten. Jedenfalls nicht zu dem Zeitpunkt. Höchstens geht die mehr oder weniger unbewusst wahrgenommene Situation ins Unterbewusstsein, um u. U. erst nach Jahren eine erneute Aufmerksamkeit in jenem Menschen hervor zu kitzeln, die dazu geeignet sein mag, damit zu beginnen, in Erwägung zu ziehen, dass man bzgl. dieses oder jenes Argumentengefühls bislang teils auf dem Holzweg gewesen sein könnte.

Denn solcherart damals wahrgenommenes Kopfschütteln Fremder über damals eigens hervor gebrachte Argumente mit dem oder der damals gerade gefundenen Wellenlängen-Partner/in gab es eigentlich, so vermittelt es einem das Unterbewusstsein langsam, ja eigentlich öfter im Laufe der Zeit! Dieses Aha-Erlebnis läutet möglicherweise das ein, das m. E. sehr selten vorkommt, und das auch bei mir lange Zeit nicht der Fall war: Nämlich aufrichtig in Erwägung zu ziehen, dass man sich hinsichtlich eigener Argunente auch durchaus irren könnte. Und zwar grundsätzlich zu jeder Zeit möglich.

 Warum dies? Ganz einfach deshalb, weil wie oben angeführt, erstens, gefundene, also eher speziell gesuchte Argumente lediglich und vornehmlich der oft schon vorgefassten Meinung und entwickelten Grundeinstellung entsprechen und unser Gehirn die Fähigkeit besitzt, uns selbst überzeugend zu täuschen und zweitens – womit ich zur dritten meiner hier vorgestellten eigenen Erkenntnisse komme:

Sich eines eigenen Irrtums während man sich in einem solchen befindet, bewusst zu sein, das geht nicht, das ist nicht möglich. Denn das Wesen eines Irrtums besteht ja gerade darin, sich jenes Irrtums nicht bewusst zu sein, ansonsten wäre es ja kein Irrtum. Demnach gaukelt, wie uns das die jüngsten Hirnforschungsergebnisse zeigen, das eigene Hirn genial sich wahr anfühlend einem selbst vor, man sehe und fühle und wisse die Wahrheit. Die paar entsprechend gefundenen Argumente tun ihr übriges.  

Eine sehr gute oder raffinierte Möglichkeit, aus einem Irrtum öfter als der Durchschnitt aller Menschen raus zu kommen, besteht m. E. somit darin, geübt aufrichtig und grundsätzlich stets in Erwägung zu ziehen, sich eigentlich ja auch in einem Irrtum befinden zu können mit dem, das man gerade am Meinen oder Denken oder Fühlen ist. Erst diese Art von schließlich und immerhin einer charakterstark entwickelten Demut ermöglicht es einem viel leichter, auch nach Gegenargumenten zu seinen bisher gefundenen und gepflegten fair Ausschau zu halten, um nötigenfalls, d. h. der Situationen-bezogenen Wahrheit zuliebe, bisherige Argumente neu zu überdenken und sie evtl. mit weiteren neuen, evtl. sogar aus dem Kontra-Bereich in Synthese zu bringen.

Das Ergebnis kann, falls man sich zuvor im Irrtum befand, z. B. also bis dato unbewusst ein übles Vorurteil pflegte, sehr bereichernd und beglückend sein: Denn man läuft ab dem Moment, in welchem man den eigenen Irrtum entdeckte, mit weniger Irrtumsballast herum und ist ein Stück reicher geworden an befreiender Situationen-bezogener Wahrheit.

Man, Du oder ich kann z. B. in solcherart Momenten dankbar zu erkennen suchen, dass man sich … demnach also und offensichtlich zum Glück in einem anderen Menschen (gegen den man das Vorurteil pflegte) ganz schön arg geirrt hatte, bis jetzt.



Als bestimmt edel und vernünftig zu nennen ist jene Herzens-Einstellung, - sei sie jahrelang eingeübt oder mit auf die Welt gebracht -, in einem Menschen einem anderen gegenüber:

 

"Ich würde mir aufrecht wünschen, mich dem anderen Menschen, um den es jeweils geht, zuliebe, lieber geirrt als Recht gehabt zu haben."

Fair Ausschau halten nach möglicherweise unbewusst eigens gepflegten Irrtümern zugunsten eines anderen Menschen oder einer Gruppe von Menschen, die evtl. lediglich und auf dramatische Weise zu Mobbing-Opfern wurden, während ich zu solchen Menschen hinzu-kommend zu jemandem wurde, der auf jenes intrigante Verhalten von Mobbenden reinfiel, das habe ich mir vor vielen Jahren vorgenommen, zu üben und bin noch immer dabei.

Es ist bestimmt nicht verkehrt, sich Gedanken darüber zu machen, wo bereits Mobbing anfangen könnte, nicht nur mit welchem gesprochen Satz oder mit welcher gespielten Geste, sondern mit bereits welchem Gedanken und Gefühl. Sind so gesehen die Gedanken tatsächlich in jeder Hinsicht frei? Oder dazu geeignet, ihnen absoluten freien Lauf zu lassen?

Eine angemessene Gedankenhygiene in Verbindung mit dem Wissen, wann eine Meinung eine eigens gebildete oder wann eine Meinung eher fast schon diebisch weil ungeprüft übernommene ist, finde ich auf jeden Fall ebenso angemessen, wie wenn man auf dem Klo die Spülung betätigt. Bestimmt erzeigen sich einem jeden Menschen hin und wieder ähnlich einzustufende Gedankenbilder zumindest in ihrer Entstehung, die es alle Mal wert sind, dass man analog betrachtet, sich ebenso dazu entschließt, lieber mal schnell die Spülung zu betätigen.

Einem gemobbten Menschen, - ich selbst war auf einer Arbeitsstelle ebenfalls betroffen -, möchte ich dringend folgendes ans Herz legen. Was heutzutage endlich einen Namen bekommen hat, nämlich: Mobbing, lässt sich doch zum Glück sehr bald schon als solches erkennen. Und ich denke, Menschen, die zu Mobbing fähig sind, haben es lediglich und dramatischer Weise sehr oder zu oft versäumt, ihre innere, wie oben beschrieben, analoge Spülung zu betätigen und beherbergen stinkende Gedanken in sich, anstatt sich selbst an ihnen zu stören. Solche Menschen sind, solange sie sich nicht aufrichtig eines Besseren belehren lassen, in gewisser Weise einfach nur: … Und hier passen jene Eigenschaften, die gemäß der Einschätzung von Psychologen passen.

Ein Mobbing betreibender Mensch ist somit, anstelle zu fürchten, ob seiner diesbezüglich derzeitigen Armseligkeit im Geiste,  als ein Mensch zu betrachten, der fachmännische Hilfe benötigen könnte, da ihm nichts Besseres/Vernünftigeres einfällt, als sich solch erbärmlicher Mittel zu bedienen, also demnach echt nur noch zu bedauern.

Mobbende haben gemäß meist eine mehr oder minder ausgeprägte Persönlichkeitsstörung und starke Minderwertigkeitsgefühle ohne das Wissen, wie damit umzugehen ist. Minderwertigkeitsgefühle, die sie möglicherweise vor sich selber nicht einmal zugeben können oder wollen. Sei es aus Feigheit, sei es aus gepflegter Dummheit oder sei es aus einem Verdrängungsmechanismus heraus.

 

 

Folgende Einstellung, die einem Gemobbten zu entwickeln nützen könnte, schlage ich hier DIR oder IHNEN ganz persönlich vor:

 

Ein gemobbter Mensch, ein Mobbingopfer, mag im ersten Schritt das im oberen Abschnitt Erwähnte in neuem Licht erkennen und im zweiten Schritt "einfach" dem Mobbenden in die Augen schauen und in etwa fühlen und/oder sagen: Dass du mich am Mobben bist, ist dir doch klar, oder? Und, dass Mobben mittlerweile von der Gesellschaft etwas Geächtetes ist, wohl eher noch nicht so klar, oder? Mobbende verbreiten oft Lügen, um ihr Ziel zu erreichen. Also, weil das, was du über mich behauptest, nicht der Wahrheit entspricht, sondern purer Lügen-Scheiß ist, fühle ich mich nicht angesprochen. Wer dir glauben will, soll es tun, das juckt mich nicht und wer mir glauben möchte, dem bin ich herzlich dankbar. Sage mir doch lieber mutig und offen ins Gesicht, was du von mir denkst und begründe es, wenn du kannst. Vielleicht, falls du keine absichtlichen Lügen verbreitest und selbst dran glaubst, irrst du dich ja. Schon mal an diese Möglichkeit gedacht? Vielleicht aber auch hast du mit dem einen oder anderen Punkt sogar Recht und ich hätte dann was, worüber ich nachdenken sollte.

Damit könntest du oder könnten Sie dem mobbenden Menschen oder der mobbenden Gruppe sehr effektiv den Wind aus dem Segel genommen haben. Sie könnten diese Worte auch als Brief oder Email dem die/Sie mobbenden Menschen zukommen lassen. Bei mir hatte eine ähnliche Vorgehensweise jedenfalls geholfen und diejenigen, die anfangs gegen mich aufgehetzt waren, gehörten bald zu denen, die mich plötzlich verteidigten bei dieser einen Person, die mich einige Tage lang regelmäßig oder bei jeder sich ihr bietenden Möglichkeit gemobbt hatte. Bald verhielt auch diese Person sich mir gegenüber mit Achtung, ob echter oder gespielter sei dahin gestellt, und natürlich auch ich mich ihr gegenüber. Das ist dann auch so geblieben.

 


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